Imke Meyer im Age-Explorer; Foto: Günter Schröder 16.10.2009

Für einige Minuten älter als 70 Jahre - Age-Explorer: Eine Zeitreise ins Alter


Erstellt am 16.10.2009
Man fühlt sich jung, ist relativ fit und wohl gelaunt, doch wie sieht das in 20 bis 30 Jahren aus? Das Alter befindet sich in einem Metallkoffer, genannt Age-Explorer und wird von Sonja Haverkamp (Meyer-Henschel-Institut) vorgestellt: Der Age-Explorer versetzt die Menschen künstlich in das Alter eines 70-jährigen.


Beim „Markt der Generationen“ wurde der astronautenähnliche Anzug mitsamt seinem Zubehör vorgestellt, Imke Meyer von der Diakoniestation Helpup-Leopoldshöhe schlüpfte hinein und erfuhr, mit was für Problemen 70-jährige Menschen zu kämpfen haben. Mit Hilfe von Gewichten, Bandagen, Seheinschränkungen durch ein Spezialvisier im Helm werden Bewegungseinschränkungen wie Arthrose, Hör-und Sehschwierigkeiten und Probleme mit dem Greifen aufgezeigt – eben ganz normale Alterserscheinungen. „Mit dem Aufknöpfen eines Hemdes hat es ja noch ganz gut geklappt“, so Imke Meyer im Pressegespräch, „doch es wieder zu zuknöpfen, das war schon wesentlich schwieriger. Das Schlimmste ist: Alles um einen herum scheint so, als ob man sich in einer Wolke befindet. Wenn man den Age-Explorer einmal ausprobiert hat, kann man die es viel besser nachempfinden, wie schwer es die Betroffenen selbst haben, und das ist für unser Verständnis im Pflegebereich sehr wichtig“. Laut Meyer ist man in der Bewegung sehr eingeschränkt, was man als sehr belastend empfindet. Viele Farben kann man nicht mehr unterscheiden, diese Erfahrung machte die Diakonie-Mitarbeiterin ebenfalls: Aus grün wurde plötzlich blau. Und auch das einfache Nachfüllen von Tabletten erweist sich plötzlich als sehr schwierig.
Der Alters-Simulator wird laut Sonja Haverkamp viel in der Verpackungsindustrie eingesetzt, aber auch in der Ausbildung zu Pflegeberufen wird er häufig verwendet, damit sich die angehenden Pfleger „besser in die Lage der Senioren versetzen können. Das Saarbrücker Institut hat den Age-Explorer mit Hilfe von erfahrenen Ärzten und Altersforschern entwickelt. „Denn wer den Anzug einmal angehabt hat und in die Rolle von älteren Kunden geschlüpft ist, der kann bei der Produktentwicklung besser nachvollziehen, wie es sich mit Einschränkungen lebt und sich auf die Bedürfnisse der älteren Menschen einstellen“, so Haverkamp. Und Imke Meyer ist nach einem Rundgang über den Marktplatz froh, wieder „die Alte“ zu sein – mit ihrem tatsächlichen Alter.

 

Weitere Informationen zum Age-Explorer finden Sie unter www.age-explorer.de

 

Text: Günter Schröder